Konsequenzen von Noten für die Schüler/innen

Noten beeinflussen das Fähigkeitsselbstkonzept von Schüler/innen (die Art, wie sie über die eigenen Fähigkeiten denken), welches sich wiederum auf die Leistungen und damit die Noten auswirkt. Gute Noten führen häufig zu einem hohen Fähigkeitsselbstkonzept. Traut sich ein Schüler viel zu, steigert dies dann wiederum seine Leistungsmotivation und sein Interesse, was letztendlich zu positiven Effekten auf das Lernen und die schulischen Leistungen führt.

Abbildung zum Zusammenhang zwischen Schulleistungen und Fähigkeitsselbstkonzept

Der Zusammenhang zwischen tatsächlichen Fähigkeiten, Noten und der Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten ist jedoch nur mittelhoch. Das bedeutet, dass viele Schüler/innen ihre Fähigkeiten unter- oder überschätzen. Das Fähigkeitsselbstkonzept hängt auch davon ab, mit wem man sich vergleicht, um zu einer Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zu kommen.
Schüler/innen nehmen dabei zumeist drei Vergleiche vor:
  1. Vergleich mit den anderen in der Klasse (sozialer Vergleich)
  2. Vergleich mit sich selbst in einem anderen Fach (dimensionaler Vergleich)
  3. Vergleich mit sich selbst zu einem früheren Zeitpunkt (temporaler Vergleich)
  • Wie Schüler/innen über die eigenen Fähigkeiten in einem Fach denken, wird auch davon beeinflusst, welche Leistungen sie in einem anderen Fach haben.
    Vergleiche von Fächern, die als wenig ähnlich erlebt werden, wie z.B. Mathematik und Deutsch, tragen zu einer Profilbildung des Fähigkeitsselbstkonzepts von Schüler/innen bei; sie beschreiben sich dann etwa als mathematischen oder sprachlichen Typ. Solange diese Einschätzung den Tatsachen entspricht, besteht kein Handlungsbedarf. Stellt sie aber eine klare Über- oder Unterschätzung dar, ist es wichtig, sie durch neue Rückmeldungen zu korrigieren (z.B. durch angeleitete Selbstreflexion eigener Fähigkeiten).
FAZIT: Noten dienen als Ausgangspunkt für Vergleiche und beeinflussen dadurch die Entwicklung von Fähigkeitsselbstkonzepten von Schüler/innen, die wiederum das weitere Lernverhalten und damit spätere Leistungen beeinflussen. Ein positives und zugleich realistisches Selbstkonzept eigener Fähigkeiten, das verschiedene Vergleichsinformationen mit einbezieht (sozial, dimensional, temporal), kann daher als ein erstrebenswertes pädagogisches Ziel angesehen werden.
Die empirische Bildungsforschung hat dazu Folgendes herausgefunden:
  • Noten dienen häufig als Ausgangspunkt für die Vergleiche.
  • Vergleichbar fähige Schüler/innen haben je nach Leistungsstärke ihrer Klasse unterschiedlich hohe Fähigkeitsselbstkonzepte. Die Schüler/innen in der stärkeren Klasse schätzen ihre eigenen Fähigkeiten schlechter ein, als die Schüler/innen in der schwächeren Klasse („Big-fish-little-pond“-Effekt). Wenn Lehrkräfte soziale Vergleiche bei der Notenvergabe nutzen (s.a. Bezugsnormen), wird die Notenvergabe abhängig von der Leistungsstärke der Klasse und Schüler/innen in der stärkeren Klasse erhalten bei objektiv vergleichbaren Leistungen schlechtere Noten als Schüler/innen in der schwächeren Klasse. Die vergleichsweise schlechteren Noten führen dann zu schlechteren Fähigkeitsselbstkonzepten.
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