Leistungserziehung kritisch gesehen

Leistungsanforderungen in Form von Prüfungen und anderen Bewertungssituationen sind fester Bestandteil des Schulalltags. Die Schule leistet somit unweigerlich einen Beitrag zur Leistungserziehung von Kindern und Jugendlichen. Es lohnt sich daher zu reflektieren, welche Ziele bei dieser Leistungserziehung verfolgt werden sollen und wie diese in der Gestaltung der schulischen Leistungsanforderungen erreicht werden können.
Eine ganzheitliche Leistungserziehung bedeutet dabei mehr, als die Schülerinnen und Schüler nur zur Funktionstüchtigkeit innerhalb der Leistungsgesellschaft zu formen. Zum einen ist bereits die Annahme einer reinen Leistungsgesellschaft durchaus fragwürdig, da neben dem Leistungsprinzip auch andere Faktoren wie etwa soziale Herkunft oder Vernetzung die Verteilung von gesellschaftlich wertvollen Gütern beeinflussen. Zum anderen ist das Erbringen von guten Leistungen auch innerhalb einer solchen Gesellschaft nicht der alleinige Sinn des Lebens. Auch Kontemplation, im Sinne der inneren Einkehr und des Verstehens der eigenen Umwelt, ist ein Ideal, das in der Schule einen Platz finden muss.
Dort, wo unausweichlich doch Leistungsanforderungen nötig sind, kann es besonders förderlich sein, dass die Schülerinnen und Schüler diese Leistung unter Selbstanforderung und aus eigenem Antrieb erbringen. Während dosierte Fremdanforderungen durch die Lehrkraft den Eigenantrieb der Lernenden durchaus anregen können, ist es fragwürdig, ob ausschließlich unter Fremdanforderungen erbrachte Leistungen eine optimale Persönlichkeitsentwicklung im Bereich der Leistungsorientierung unterstützen.
Das Ausbilden von Selbstvertrauen und einer gefestigten Persönlichkeit, also durchaus leistungsrelevanter Merkmale, gelingt womöglich gerade unter starkem Leistungsdruck und bei der Verrichtung fremdauferlegter Arbeiten nicht optimal. Die Fähigkeit, mit Leistungsanforderungen besonnen und kritisch umzugehen und ihnen einen angemessenen Stellenwert zuzuweisen, ist das wünschenswerte Resultat einer richtig verstandenen Leistungserziehung.
Einen großen Beitrag zu dem genannten Resultat kann die Schule vor allem liefern, indem Gelegenheiten geschaffen werden, eigenmotiviert Leistungen zu erbringen. Solche Leistungen aus eigenem Antrieb können auch in Gebieten gezeigt werden, die außerhalb des gewöhnlichen schulischen Fächerkanons liegen.
Wenn Leistungsanforderungen durch die Lehrkraft auferlegt werden, kann sie deren Sinnhaftigkeit durch entsprechende Begründungen aufzeigen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lernenden die Anforderungen und Ziele zu Eigen machen.
In einer ganzheitlichen Leistungserziehung sollten auch soziale und kommunikative Kompetenzen sowie die Qualität von Lernprozessen gefördert werden. Dabei kann auch der Eigenwert des Kommunizierens, des Teilens von Erfahrungen sowie des Arbeitens und Spielens erlebt werden, der nicht an das Erlangen einer günstigen Beurteilung gebunden ist.
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